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SP058: Reichtum

Eine Sache, die mich bei dieser Folge überrascht hat ist die Kritik an den Preisen für Kulturteilhabe in Deutschland. Es ist sicherlich richtig, dass manche Tickets für manche Leute immer noch unerschwinglich sind und man daran noch arbeiten kann. Aber ich bin im internationalen Vergleich doch sehr froh über die Kulturförderung hier, die es eben überhaupt erst möglich macht auch mit einem vergleichsweise niedrigen Einkommen an Kultur teilzunehmen. Das ist z.B. in den USA ein vollständig anderes Bild.
Möchte ich z.B. am Ostersonntag in der Oper Frankfurt den Lohengrin sehen (warum auch immer man das will - aber das mag ich gar nicht diskutieren) dann geht das schon für 15 €. Quelle: Webshop
In den USA gibt man da gerne mindestens das doppelte aus. Wenns der Broadway sein soll reden wir eher vom 6-fachen.
Diskutieren kann man aber durchaus ob 15€ nicht schon zu hoch sind… In der Berechnung von Hartz V z.B. werden pro Monat 42,40 Euro für “Freizeit, Unterhaltung, Kultur” angesetzt. Also ca. 35% dieses Beitrags gehen für ein einzelnes Ticket schon drauf. Ganz schönes Commitment. Da sucht man u.U. wahrscheinlich eher nach günstigeren Formen für “Freizeit, Unterhaltung, Kultur”.

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Danke für den Kommentar! Ein guter Punkt. Ich habe mich gerade auch mal umgeguckt, zwei weitere Beispiele wären hier bei mir in Dortmund:

Man sollte aber auch z.B. Gebühren für so Dinge wie Musikschule, Vereine oder ganz profan ein Netflix-Abo o.ä. nennen, die dann auch ggf. problematische monatliche Fixkosten erzeugen.

Als positiv fällt mir in dem Zusammenhang noch ein, dass dank einer ordentlichen Kulturförderung Institute wie Konzerthäuser, Theater und Museen (und Krankenhäuser) in Deutschland weniger abhängig von Mäzenatentum sind als in den genannten USA, was undemokratischen einseitigen Einfluss von reichen Menschen auf das Kulturgeschehen zumindest reduziert.

Der Vergleich von Oper Frankfurt mit dem Broadway ist aber etwas unfair, denke ich. Sagen wir, ich bin schlecht drauf wegen äh sozialer Ungerechtigkeit und möchte mir mit Tanz und Musik erklären lassen dass das schon okay so ist weil das halt die Natur ist. Oder so. Dann gehe ich also nach Hamburg zu König der Löwen. Da reden wir jetzt von mindestens 90 Euro.

Dennoch würde ich schon insgesamt zustimmen, dass die Preise für kulturelle Teilhabein Deutschland im Großen und Ganzen okay sind. Das Problem ist weniger das Kultur an sich teuer wäre. Sondern eher, dass Armut existiert, und nicht teuer eben immer noch zu viel ist für viele Menschen. Gerade auch jetzt, wo die Lebenshaltungskosten steigen, werden Kultur und Freizeit bei vielen Menschen zuerst hintenrüber fallen, während das für wohlhabende Menschen nicht der Fall ist. Ähnlich übrigens bei Mobilität, auch hier sind es zuerst weniger wohlhabende Menschen die sich einschränken müssen.

Und das ist ja der Kern unserer Aussage: materielle Ungleichheit ist auch Ungleichheit z.B. beim Zugang zu kultureller Teilhabe — was ein gesellschaftliches Problem ist.

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Was Kulturförderung in Deutschland vor allem erzeugt ist ein sehr vielfältiges Angebot. Man kann sich das außerhalb von Städten vielleicht noch reichhaltiger wünschen, aber es passiert auch in Kleinstädten und Dörfern erstaunlich viel und erstaunlich großartiges.
Wenn wir das nur dem “Markt” überlassen gibt es eben nur den König der Löwen ab 90€ aufwärts. Von daher finde ich den Vergleich mit dem Broadway nicht ganz so abwegig. Denn ohne Förderung gibt es nur das was entweder durch geschickte Methoden angepriesen und “gewollt” gemacht wird oder was der_m Mäzen_in gefällt.
Eurer Argument bzgl. der Existenz von Armut gehe ich vollständig mit. Und wir dürfen uns da nichts vormachen: Kultur (genau wie Bildung) ist auch durchaus ein Enabler für den Zugang zu besser bezahlten Stellen. Wenn man das verweigert oder schwerer macht bleibt Armut ein selbsterhaltendes Prinzip.

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Da stimme ich wohl voll zu.

(Wir haben diese Diskussion übrigens in der heutigen Folge im Feedbackblock erwähnt)

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